Chemikerin wollte die erste Frau in der Geschäftsführung werden – Die Wirtschaftsfrau
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In ihrem ersten Job nach dem Studium als diplomierte Chemikerin auf dem Weg zur Promotion musste sie in den Meetings noch Brötchen und Kaffee für die Herren servieren.

Chemikerin wollte die erste Frau in der Geschäftsführung werden

Inspirierende Geschichte aus dem grossen Kanton: In ihrem ersten Job nach dem Studium als diplomierte Chemikerin auf dem Weg zur Promotion musste sie in den Meetings noch Brötchen und Kaffee für die Herren servieren. Das sagt die deutsche Chemikerin Mandy Hecht. Heute ist sie Co-Geschäftsführerin bei der Firma Codecheck in Deutschland.

Hecht sagt, dass es in ihrem damaligen Unternehmen nur wenige Frauen gab. Und diese seien im Labor tätig gewesen und hätten bei Sitzungen regelmässig Servieraufgaben übernehmen müssen. Sie selbst habe darüber hinweggeschaut. Das Unternehmen, bei dem sie damals angestellt war, entwickelt Beschichtungen für Oberflächen, speziell für Haarfarben. Es arbeitete damals mit einem US-Grosskunden zusammen, den Hecht betreuen durfte. Das war wohl die Anregung, den Job erst einmal weiter zu machen. Sie habe dort viel über Mitarbeiterförderung, Diversity und Unternehmenskultur gelernt. Trotzdem war ihr klar, dass sie in diesem  männerdominierten Mittelstandsunternehmen auf lange Sicht nicht bleiben wird.

Hecht erzählt, dass sie aus einer Arbeiterfamilie aus Sachsen-Anhalt kommt. Ihre Eltern hatten für sie eigentlich eine Ausbildung im Sinn, wie es für Arbeiterkinder in der DDR vorgesehen war. Schon als Mädchen habe sie sich aber für naturwissenschaftliche Themen interessiert. Als Kind sammelte Mandy Hecht Käfer und legte alles Mögliche unter das Mikroskop.

Nach dem Abitur zog sie nach Berlin und studierte an der Humboldt-Universität Chemie. Sie habe sich gegen ihre Eltern durchgesetzt, sagt Hecht. Wie sich schon bald herausstelle, war dies eine gute Entscheidung. Chemie sei genau ihr Element. Nebst dem Studium jobbt sie in einer Tierpraxis, lernt viel und schreibt ihre Diplomarbeit über potenzielle Malaria-Wirkstoffe.

Schon während dem Studium wurde sie von männlichen Assistenten im Labor gewarnt. Sie sagten, für Frauen sei die Chemiker Laufbahn nicht das Richtige, da das Studium viel zu lange dauere und das für Frauen nicht zur Familienplanung passe.

Aber Hecht blieb hartnäckig. Nach ca. sechs Jahren machte sie ihr Diplom und startete ihren ersten Job in der besagten mittelständischen Firma. Noch Jahre später half ihr das, was sie aus dem Projekt mit dem US-Grosskunden aus der „Corporate Unternehmenswelt“ lernte. Sie schaffte es sogar, als Miterfinderin fünf Patente anzumelden. Dabei ging es um Beschichtungen für schonende Haarfärbemittel. Doch die Applikationen setzten sich auf dem Markt nicht durch. 40 bis 50 Stunden pro Woche zu arbeiten und am Wochenende an der Doktorarbeit zu schreiben, war normal für sie.

Dann kam das Angebot von Codecheck. Das in der Schweiz gegründete Start-up Unternehmen untersucht per App Shampoos und Kosmetika auf ihre Inhaltsstoffe. Hecht stieg ein als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Nach drei Monaten war sie Abteilungsleiterin. Das Arbeitsklima, die Unternehmenskultur und die Wertschätzung seien ganz anders gewesen als beim vorherigen Unternehmen, sagt sie.

Hecht hat ausserdem Fernsehauftritte, in denen sie als wissenschaftliche Expertin über die Gefahren der Inhaltsstoffe in den Produkten wie Aluminiumsalze in Deos oder über die langwierigen Folgen von Parabenen in Shampoos aufklärt. Sie sagt, durch ihre Arbeit habe sich auch privat ihre Sichtweise verändert. Es sei erschreckend zu sehen, was Hersteller in ihre Produkte tun, nur weil es erlaubt ist. Schnell stieg Hecht im Unternehmen auf zum „Head of Science“ und entwickelt den „Mikroplastik-Filter“. Er dient dazu, schädliches Mikroplastik in Peelings oder Schminkprodukten wie Lidschatten nachzuweisen.

Die Chemikerin baute als „Head of Product“ eine komplett neue Abteilung auf. Danach sei ihr klar geworden: Sie möchte COO (Chief Operating Officer) werden. Sie wollte somit in die Geschäftsführung, die auch bei Codecheck bislang nur aus Männern bestand, aufsteigen. Doch ihre Ambition wurde zunächst abgelehnt. Sie denke zu wenig unternehmerisch.

Während sich andere nach so einer Absage erst einmal lange ihre Wunden lecken oder gleich einen neuen Job aus Enttäuschung und Wut suchen würden, machte Hecht einfach weiter.

Sie sagt, sie wollte die erste Frau im C-Level werden. Die Ablehnung habe sie nur noch mehr angespornt. Mit einem privaten Coach, den sie engagierte, arbeitete sie an ihrem Auftreten. „Ich lernte, zu kanalisieren und verbalisieren, was ich überhaupt wollte“, sagt Mandy Hecht. Ausserdem lernte sie das, was viele Männer machen: „Sicher Auftreten bei vollkommener Ahnungslosigkeit“, beschreibt Hecht das, was sie erst noch lernen musste, um oben mitzuhalten. Sechs Monate später war sie COO.

 

Quelle: https://m.tagesspiegel.de/berlin/chemikerin-mandy-hecht-ich-wollte-die-erste-frau-in-der-geschaeftsfuehrung-werden/26278802.html

Kategorie

News

Publiziert am

23.10.2020

Hashtag

#diewirtschaftsfrau #politik

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