Das mobile Arbeitsmodell | Die Wirtschaftsfrau
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Der Wechsel hin zu mobilen Arbeitsmodellen ist spannend und herausfordernd.

Das mobile Arbeitsmodell

Früher war es alles so viel klarer. Die Rush-Hour war zwischen sieben Uhr und acht Uhr, der Zug meist überfüllt, die Mitarbeitenden hatten den Arbeitsort beim Arbeitgeber, die Arbeitszeiten waren von 08:00-17:00 Uhr mit einer Stunde Mittagspause, die dann meist im Restaurant, der Kantine oder am Arbeitsplatz genutzt wurde.

Heute hat es Verkehr zwischen sechs-neun Uhr und das leckere Sandwich vom Bäcker ist auch noch am Nachmittag verfügbar.

Als ich 2007 in London angefangen habe für ein grosses, internationales Unternehmen zu arbeiten, war ich überrascht, wie flexibel die Arbeitswelt in dieser Grossstadt funktionierte. Home-office einmal pro Woche, und wenn die Tube mal nicht ging, dann wurden es auch schon mal zwei Tage. Wir arbeiteten über Skype und Messenger und hatten den Status WFH oder AFK. Wir verfolgten die Chinesen, dann die Inder wie sie schlafen gingen und die Amerikaner online kamen. Die Kommunikation in London war damals schon so digital, dass ich Mühe hatte, mich wieder an ein altes Modell zu gewöhnen, als ich zwei Jahre später in die Schweiz zurückkehrte.

Was ich damit meine? Auf der einen Seite haben wir eine starke, zum Teil sehr protektive Wirtschaft, wo Alt-bewährtes zählt, und auf der anderen Seite haben wir in der Schweiz junge, Digital-Natives Arbeitskräfte, die anders denken, anders arbeiten und anders kommunizieren. Das ist absolut spannend und herausfordernd, und zwar für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermassen.

Seit über zehn Jahren bin ich Unternehmerin, Headhunterin und Arbeitgeberin und bin täglich konfrontiert mit Themen wie flexible Arbeitsmodelle (Home-Office, flexible und unbezahlte Ferienplanung, Teilzeit auf Executive Level, Job Sharing, bezahlte Commuting-Time und vieles mehr).

Aus Diskretionsgründen gehe ich nicht auf einzelne Beispiele ein, möchte hiermit aber meine wichtigsten Take-Aways teilen. Für mich steht Flexibilität an erster Stelle, und das gilt für Mitarbeiter und Arbeitgeber. Es gibt Menschen, die brauchen ein Office und den Austausch mit Kollegen, dann gibt es solche, denen ein Meeting pro Woche reicht, oder die, die im Zug schon mit der Arbeit beginnen, weil sie einen langen Arbeitsweg haben.

Diese fehlende Flexibilität hat meiner Ansicht nach verschiedene Gründe. Vielleicht ist es Sturheit, Angst vor Kontrollverlust, Machtverlust, Angst vor dem Neuen, doch genau hier muss man versuchen, neue und individuelle Arbeitsmodelle anzupassen. Durch die Veränderung sind auch Manager mehr gefordert als früher. Mit heutigen
Software Dienstleistungen ist es möglich, die Arbeit der Mitarbeitenden zu verfolgen – das sollte doch eigentlich den Home-Office-Gegnern alle Ängste und Bedenken nehmen. Schliesslich sind flexible Arbeitsmodelle sehr gefragt und beliebt, so dass eine Mitarbeitergewinnung einfacher und die Mitarbeiterbindung so langfristig besser gewährleistet wird.

Ich bin überzeugt, wenn man dies fördert, führt das zu höherer Zufriedenheit.

Rubrik

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Ausgabe

Workspace und Zusammenarbeit

Kim Johansson

Webseite
salesahead.com

Beruf
Managing Director

Firma
SalesAhead AG

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