Durch die Pandemie werden bestehende Rollenverteilungen verstärkt | Die Wirtschaftsfrau
Teilzeitarbeit in der Schweiz
Frauen an der Spitze – aus Sicht von vier Chefinnen

Bei Frauen ist das Home-Office häufig damit verbunden, dass sie mehr Sorgearbeit als sonst leisten.

Durch die Pandemie werden bestehende Rollenverteilungen verstärkt

Im vergangenen Jahr sind einige Familienleben ordentlich durcheinandergeraten. Schulen und Kitas waren lange geschlossen oder liefen nur im Notbetrieb. Die meisten berufstätigen Eltern mussten die Kinderbetreuung komplett anders als sonst organisieren. Seither stellen sich viele die Frage; wie haben sich Eltern das Kinderhüten und die Hausarbeit aufgeteilt? Hat sich etwas an den eingeübten Rollen der Mütter und Väter hierzulande geändert?

Einige Studien dazu sind in den vergangenen Monaten bereits veröffentlicht worden. Im Grossen und Ganzen war das Bild, das sie zeichneten, stets ein Differenziertes. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte eine neue Studie vor, die noch mehr Licht ins Dunkel der pandemiebedingten Rollenverteilung bringen will. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen: Der Anteil der Familien, in denen die Mutter sich fast komplett alleine um die Kinder kümmert, hat sich fast verdoppelt. Andererseits hat sich der Anteil der Familien, in denen die Eltern sich die Sorgearbeit gleichberechtigt teilen, kaum verändert. Möglich ist das durch die Verschiebungen in einer dritten Konstellation: Der Anteil der Familien, in denen die Frau “überwiegend” die Kinderbetreuung stemmt, ist gesunken.

Vor der Pandemie war in 59% der Paarfamilien überwiegend die Frau für die Kinderbetreuung zuständig. In 31% der Fälle teilten die Eltern sich die Betreuung auf. 8% gaben an, dass die Frau fast vollständig die Kinderbetreuung stemme. In weniger als 3% war der Mann überwiegend dafür verantwortlich. Ein Jahr später, mitten in der Pandemie samt Betreuungsnotstand, ist der Anteil der Familien mit dem Modell, in welchem die Kinderbetreuung aufgeteilt wird, nur minimal gestiegen. Der Anteil mit einer überwiegenden Kinderbetreuung durch die Mutter ist um 13% gesunken. Im Gegenzug ist der Anteil der Mütter als alleinige Betreuerinnen stark gestiegen. Von damals 8% heute auf 16%. Der Anteil der Familien mit Vätern in der Betreuungshauptrolle stieg um 2%. Für den Haushalt ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Frau schwingt den Haushalt hauptsächlich alleine. Dieser Prozentanteil ist jedoch nicht so stark gestiegen wie der in der Kinderbetreuung.

Durch die Pandemie wird das Ungleichgewicht oft noch stärker

Es sieht also danach aus, als verstärke und festige die Pandemie bestehende Rollenverteilungen. Paare, die sich die Verantwortung für Familie und Beruf teilen, tun dies auch unter verschärften Bedingungen. Dort, wo die Frau schon vorher den grösseren Part der Sorgearbeit übernommen hat, tut sie dies auch im Lockdown. DIW-Forscherin Katharina Spieß sagt dazu, dass in Familien, in denen sich Frauen schon zuvor deutlich mehr um Kinderbetreuung und Haushalt gekümmert hätten, das Ungleichgewicht während der Corona-Pandemie noch grösser geworden sei.

Grundlage der Untersuchung ist eine Längsschnittstudie, für die jährlich rund 12’000 Personen befragt werden. Im Mai, Juni und Juli 2020 kam eine spezielle Corona-Erhebung hinzu, an der sich laut DIW mehr als 3’000 Menschen beteiligt haben. Insgesamt stützt sich die Untersuchung auf 967 Paarhaushalte mit Kindern. Mütter waren mit 60% der Befragten leicht überrepräsentiert. Auch bei dieser Studie trifft das bekannte Phänomen auf, dass Frauen und Männer ein und denselben Sachverhalt unterschiedlich wahrnehmen. So gaben fast 24% aller Müttern an, sie übernähmen fast vollständig die Kinderbetreuung, während nur gut 5% der Väter dies genauso sahen. Für die Berechnung der Gesamtwerte haben die Forscherinnen deshalb den Durchschnitt über Frauen und Männer gebildet.

Die Studie zeigt auch, dass das Arbeiten von zu Hause sich bei Männern und Frauen unterschiedlich darauf auswirkt, wie viel Hausarbeit und Kinderbetreuung sie leisten. Bei Frauen ist das Home-Office häufig damit verbunden, dass sie mehr Sorgearbeit als sonst leisten. Bei Männern ist dies nicht so.

 

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kinderbetreuung-homeoffice-homeschooling-diw-1.5222437

Kategorie

News

Publiziert am

01.04.2021

Hashtag

#diewirtschaftsfrau #politik

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