Gender Pay Gap: So gehen Sie gegen Lohnunterschiede vor! | Die Wirtschaftsfrau
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Ein Nein ist immer auch ein Ja

Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern ist, darüber zu sprechen.

Gender Pay Gap: So gehen Sie gegen Lohnunterschiede vor!

Immerhin: Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Lohnlücke zwischen Frauen- und Männerlöhnen in der Schweiz recht gering. Dennoch sollten auch Sie sich nicht damit zufriedengeben, dass Sie weniger verdienen, nur weil sie weiblich sind. Wie Sie das tun können, lesen Sie hier.

Die Schweiz steht nicht schlecht da, aber es geht besser!
Knapp ein Fünftel weniger verdienen Frauen in der Schweiz im Vergleich zu Männern. Ähnlich sieht es in den Niederlanden, Grossbritannien und Deutschland aus. Doch die Schweizer Position bessert sich enorm, wenn man sich das bereinigte Gender-Pay-Gap anschaut. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im Jahr 2016 insgesamt 24 Länder verglichen, allerdings in Form des sogenannten bereinigten Gender Pay Gaps. Dabei wurden einige Faktoren einbezogen, wie:

  • Alter
  • Geburtsland
  • Bildungsniveau
  • Berufserfahrung
  • Hierarchiestufe
  • Branche
  • Grösse des Betriebs

Der Hintergrund: Frauen sind öfter als Männer in Kleinstunternehmen tätig. Doch hier wird in der Regel schlechter bezahlt. Ähnlich sind die Unterschiede in Branchen. Diese Faktoren einberechnet, steht die Schweiz gar nicht so schlecht da: Der erklärbare Lohnunterschied liegt bei 2,9%. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Lohnabstand – nach bereinigenden Faktoren – ganze 6,6 %. Frauen legen mehr Wert auf die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie, arbeiten häufiger in Teilzeit und verdienen dann auch weniger. Das ist eine Begründung, an der sich viele gerne bedienen, wenn es um die Diskussion des Gender Pay Gaps geht. Doch damit macht man es sich etwas zu einfach. Ja, das sind Einflussfaktoren. Aber nein, es sind sicherlich nicht die einzigen.

Die Unterschiede der Löhne bei Männern und Frauen sind nicht gottgegeben.

Nach wie vor kommt es vor, dass Frauen in exakt gleichen Positionen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Doch was kann frau dagegen tun?

Öffentliche Debatten
Zum einen – so simpel es sich anhört – ist es wichtig, dass Sie sich in der Gesellschaft damit auseinandersetzen. Sprechen Sie darüber. Mit Bekannten, Freunden, Kollegen. Dass man über Geld nicht spricht, sollte abgeschafft werden. Warum? Nur so wird vielen ja erst bewusst, dass sie in ihrer Position deutlich mehr verdienen könnten. Hier könnte auch die Mitgliedschaft in Berufsnetzwerken von grossem Vorteil sein. Selbst, wenn Sie hier nicht jeden ganz direkt fragen wollen, wie viel sie verdienen, können
Sie sich neutrale Einschätzungen einholen. Dieser Austausch könnte für Sie bares Geld wert sein.

Zur öffentlichen Debatte über Gehälter ruft auch das Projekt „Zeig deinen Lohn“ auf. Schweizerinnen und Schweizer sollen auf der Plattform ihren Lohn öffentlich machen – für mehr Transparenz. Hierbei geht es nicht nur darum, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und Branchen, aufzuzeigen. Diese öffentlichen Debatten helfen Ihnen, sich ein Bild darüber zu machen, wo Sie stehen und ob dieser Punkt ein wenig Bewegung gebrauchen könnte. Nehmen Sie also aktiv an öffentlichen Debatten zu dem Thema teil und lassen Sie sich auf keinen Fall erzählen, dass ein Gender Pay Gap gottgegeben sei oder am besten noch die freie Entscheidung der Frauen.

Natürlich: Wenn Sie sich als Mutter dafür entscheiden, einige Zeit zu Hause zu bleiben oder in Teilzeit zu arbeiten, ist das Ihr gutes Recht und damit nehmen Sie in Kauf, in dieser Zeit entsprechend weniger zu verdienen. Doch leider geht damit nicht selten einher, dass Frauen sich genau in dieser Position kleinmachen und Arbeitgebende das ausnutzen. Weil sie dem Unternehmen nicht mehr so viel zur Verfügung stehen und sie „froh“ darüber sind, dass der Arbeitgeber ihnen die Chance gibt, beides unter einen Hut zu bringen. In dieser Situation dann mehr Gehalt
zu verlangen, liegt vielen Frauen fern.

Arbeiten ist immer ein Austausch von Arbeitskraft und Entgelt.

Ihre Arbeitskraft ist nicht auf einmal weniger Wert, nur weil sie Kinder bekommen haben. Machen Sie sich das ganz klar bewusst.

Die Debatte mit sich selbst!
Neben der öffentlichen Auseinandersetzung mit Gehältern und dem, was Frauen verdienen sollten, müssen Sie mit sich selbst ins Gericht gehen. Denn häufig sind Frauen einfach wesentlich vorsichtiger als Männer, wenn es um die Gehaltsfrage geht.

Auf den Tisch hauen und das verlangen, was man eigentlich will?

Eine schwierige Vorstellung – besonders für Frauen. Doch hier können Sie sich selbst helfen. Das A und O ist eine gute Vorbereitung. Angenommen, inVertragsgespräch steht an und Sie sind auch zufrieden mit Ihrer Stelle, wollen im Grunde nichts ändern. Nur – und das ist ja der Klassiker – etwas mehr Gehalt wäre schön. Was hilft hier? Sich zurücklehnen und mal schauen, was der Chef anbietet, ist auf jeden Fall keine Option. Denn – und das ist auch nachvollziehbar – kein Chef zahlt einfach mal so mehr Geld. Wenn Sie gut vorbereitet sind, können Sie stark argumentieren. Wichtig ist, dass Sie erst einmal ein Bild darüber haben, ob Sie branchenüblich bezahlt werden. Recherchieren Sie hierzu in Online-Gehaltstabellen oder zum Beispiel in Tabellen von Berufsverbänden. Auch vergleichbare Stellenanzeigen können helfen. Machen Sie sich also ein Bild darüber, wie sich die Bezahlung in Ihrem Beruf entwickelt hat.

Dann geht es natürlich darum, wie Sie sich selbst entwickelt haben. Zeigen Sie Ihrem Chef oder Ihrer Chefin Ihre Leistungen auf. Belegen Sie, was Sie dem Unternehmen bringen und warum eine bessere Bezahlung gerechtfertigt ist.

Ein weiterer Tipp: Selbst, wenn Sie gar nicht vorhaben, das Unternehmen zu verlassen, kann es sich lohnen, sich auch auf andere Jobs zu bewerben. Denn so lernen Sie Ihren Marktwert erst recht kennen und können Ihrem Chef die Stirn bieten, sollte er nicht auf Ihre Forderung eingehen wollen.

Verhandeln Sie!
Sie haben schon in den vorangegangenen Tipps herausgelesen, dass es wichtig ist, dass Sie aktiv werden. Das ist erst recht gefordert, wenn es um die tatsächliche Forderung bei Gehaltsverhandlungen geht. Überlegen Sie sich im Vorfeld genau, was Sie Ihrem Chef anbieten. Dazu gehört Ihr Ideal-Gehalt. Lässt er sich darauf nicht ein, sollten Sie auch Ihre Alternativen kennen und benennen können. Überlegen Sie sich also ein Mindestgehalt und klare Forderungen gehören, die Sie an dieses knüpfen.

Fazit: Zu vorsichtig sein, nach der Geburt eines Kindes überhaupt „froh“ sein, dass das erstmal alles so klappt, auf Angebote aus der Chefetage warten – das sind die Hauptfehler, welche Sie als Frau machen können, wenn es um Ihr Gehalt geht. Setzen Sie sich aktiv mit dem Thema auseinander, informieren Sie sich, vernetzen Sie sich und formulieren Sie klare Forderungen, die auf harten Fakten underbrachten Leistungen basieren. Dannkönnen Sie auch selbst etwas aktiv gegen das Gender Pay Gap unternehmen.

Bereinigte und unbereinigte Löhne

Wie kann ich die „Gender Pay Gaps“ berechnen?

Zur Berechnung des „Gender Pay Gaps“ kann unterschiedlich vorgegangen werden. Beim sogenannten unbereinigten Gender Pay Gap spielen Einflussfaktoren wie der Berufsabschluss, der Beschäftigungsumfang, der Bildungsstand sowie die Berufserfahrung eine untergeordnete Rolle. Hier geht es also um den realen Unterschied der Löhne zwischen Männern und Frauen in gleichen Berufsgruppen. Beim bereinigten Gender Pay Gap werden Faktoren hinzugezogen, die Ursache für die unterschiedliche Bezahlung sein könnten. Das sind zum Beispiel Bildungsstand, Abschluss und auch das Alter. In der Schweiz wird bei der Ermittlung der Werte auch darauf geachtet, die Medianlohndifferenz der Bruttolöhne zu vergleichen. So soll verhindert werden, dass aussergewöhnlich hohe Löhne die Statistik verfälschen.

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