„Hätte ich doch …“ | Die Wirtschaftsfrau
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Hätte ich doch
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„Hätte ich doch …“

Wie oft hast du schon gedacht: Hätte ich doch dieses oder jenes gesagt! Im Nachhinein ist uns immer sonnenklar, wie wir hätten reagieren sollen. Doch im entscheidenden Moment bleiben uns die Worte im Hals stecken, der Kopf ist leer und wir fühlen uns wie gelähmt. Woran liegt das? Wir sind doch sonst intelligente, schlagfertige Frauen, mit Sinn für Humor und manchmal auch einer spitzen Zunge, wenn wir in der richtigen Stimmung sind.

In der richtigen Stimmung. Da haben wir es. Mache Herausforderungen erwischen uns eben auf dem falschen Fuss. Die Situation ist angespannt, wie bei einer Bewerbung, einem wichtigen Teammeeting, einer Präsentation oder in einem Gespräch mit der vorgesetzten Person. Und plötzlich ist es, als hätte jemand das Licht in unserem Kopf ausgeschaltet. Wir können uns förmlich selber dabei zuschauen, wie wir uns komisch verhalten: Wir zappeln herum oder lachen gekünstelt, wir schweigen betreten oder nicken, wenn uns gar nicht danach ist. Danach könnten wir uns für dieses Verhalten in den A* beissen. Aber was hilft’s, es ist schon passiert. Wir haben uns mit diesem Verhalten auf eine bestimmte Art präsentiert und einen Eindruck hinterlassen. Jede Situation trägt zu unserer Positionierung bei, aber manche Gelegenheiten kommen so nicht wieder. Wie ein Vorstellungs-Gespräch oder eine Präsentation vor der Geschäftsleitung.

Es geht uns allen so. Aber heisst das, dass wir es einfach akzeptieren müssen? Dass wir immer bereuen werden, wie wenig geistreich wir in der Situation reagiert haben? Und dass wir uns folglich vor ähnlichen Situationen fürchten, weil wir bereits vorher wissen, dass wir im entscheidenden Moment von allen guten Geistern verlassen sein werden? Wird es wirklich mit der Zeit besser? Oder kann es wegen eben dieser Angst auch schlimmer werden?

In meiner Coaching Praxis sehe ich beides. Manche gewöhnen sich an den Zustand, akzeptieren ihn und überwinden ihn nach und nach. Andere bauen einen inneren Widerstand auf, schämen sich und vermeiden herausfordernde Situationen wie die Pest. Dadurch wird aber ihre Angst immer grösser. Wenn sie dann doch einmal „müssen“, sind sie so gehemmt, dass sie erst recht nicht locker sein können. Sie erwarten, dass es ganz schrecklich wird, was zu einer unglaublichen Anspannung führt, die sie wiederum lähmt. So erschaffen sie sich ihre eigene „self fulfilling prophecy“.

Was ist der Schlüssel zu souveränem Verhalten? Der Schlüssel liegt in unseren Gedanken. Was denken wir über die Situation, über uns selber und über das Thema? Am Beispiel einer Präsentation:

Negatives Denken Positives Denken
Situation Die Leute beobachten mich, sie suchen meine Fehler. Das ist wie eine Prüfungs-Situation. Die Leute warten darauf, dass ich ihnen das Thema anschaulich darstelle. Sie sind gespannt auf meine Präsentation.
Ich Ich bin noch zu unerfahren. Ich hasse präsentieren. Ich bin nicht die richtige Person für dieses Thema. Ich bin zu jung, zu unsicher, zu alt, zu … Ich werde die Fragen aus dem Publikum nicht beantworten können. Ich bin genau die richtige Person für diese Präsentation. Ich werde die Leute positiv überraschen. Ich werde ihnen eine interessante Sichtweise darbieten. Ich kann das. Ich lerne es, während ich es mache.
Thema Das Thema ist nicht mein Fachgebiet. Andere könnten das viel besser präsentieren. Die Leute finden das langweilig. Ich muss alles hineinpacken, was ich weiss. Weniger ist mehr: Ich reduziere auf die wichtigsten Punkte. Nicht ich muss alle Fragen beantworten, sondern eine angeregte Diskussion ist das Ziel.
Resultat Unsichere Präsentation, kaum Eingehen auf das Publikum, zu viel Information, Anspannung im Raum, Kritische Fragen

–> kein Erfolg

Selbstsichere, spannende Präsentation. Ich kann es selber geniessen, das Publikum auch. Angeregte Diskussion.

 

–> Erfolgserlebnis

 

Mit positivem Denken ist nicht gemeint, dass wir uns selber etwas einreden, was nicht der Fall ist. Bei genauerer Betrachtung ist es so, dass wir uns das Negative genauso einreden. Das heisst, wir erzählen uns eine Story über die Welt und glauben zu wissen, wie sie ist. Über die Jahre zimmern uns unser eigenes Weltbild zurecht, das dann unsere Wahrnehmung beeinflusst. Wenn ich Menschen als feindselig wahrnehme, dann nur, weil ich im Vorneherein davon ausgehe, dass die Welt voller Feinde ist. Dass die Leute es nicht gut meinen mit mir. Folglich werde ich selber mit einer feindseligen Haltung herumlaufen, mir eine dicke Rüstung zulegen und niemanden an mich heranlassen. Oder ich lasse einmal jemanden an mich heran und werde dann bitter enttäuscht. Weil ich nur darauf warte, dass die andere Person mich hintergeht.

Leider beobachte ich dieses Verhalten bei vielen Frauen, die grundsätzlich davon ausgehen, dass sie als Frau benachteiligt sind. Jede Handlung in ihrem Umfeld wird dann als Beweis dafür interpretiert. Und wer leidet darunter? Nur wir selber, niemand sonst. Wir verbauen uns damit die Möglichkeit, schöne und erfolgreiche Momente zu erleben!

Wenn ich stattdessen entscheide, mir eine neue Story zu erzählen, also mein Weltbild zu hinterfragen und es für die Zukunft aktiv zu gestalten, dann kann ich mich von dem ganzen Ballast befreien. Ich denke mir die Welt neu und meine Wahrnehmung wird mir das neue Weltbild sofort anfangen zu bestätigen! Denn unser Gehirn ist auf selektive Wahrnehmung programmiert und es sucht immer Bestätigung für das, was es ohnehin schon denkt. Diese Eigenschaft können wir uns zunutze machen, indem wir unsere Gedanken aktiv steuern.

Im Moment des Job-Interviews noch schnell die Grundeinstellung ändern, wäre zu viel verlangt. Stattdessen können wir in der Vorbereitung unsere Gedanken (vor allem die negativen, die Ängste) aufschreiben und ein grosses Fragezeichen dahinter malen. Handelt es sich dabei um Fakten oder sind es doch eher Wertungen von unserer Seite, Spekulationen und Interpretationen? Wir sehen bei dieser Übung, dass praktisch keine Fakten dabei sind, denn Fakten tun nicht weh. Fakten an und für sich sind immer neutral. Unsere Wertung und welche Bedeutung wir ihnen geben, das kann wehtun. Es kann aber auch begeistern, je nachdem, was wir entscheiden zu denken. Mind Management ist der Schlüssel zum Erfolg. Es ist auch der Schlüssel zu mehr Selbsterkenntnis und Verständnis für uns selber. Denn nur so können wir zukünftig Verantwortung übernehmen für unsere Gefühle, unsere Reaktionen und die Resultate, die wir damit erzielen.

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Verena Tschudi

NautTschudi

Funktion
Inhaberin und Geschäftsführerin

Nationalität
Österreich wohnhaft in Winterthur

Zivilstand
verheiratet, 2 Kinder

Webseite
verenatschudi.com

Verena Tschudi verfügt über langjährige Erfahrung im Management und in der Beratung. Heute arbeitet sie als Personal Coach und bietet Workshops zum Thema Female Leadership, Selbstmarketing und Erfolg an.

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