Konflikte im Verwaltungsrat: Chance und Gefahr | Die Wirtschaftsfrau
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Konflikte im Verwaltungsrat: Chance und Gefahr

Konflikte und Spannungen können Gold wert sein, weil sie zu neuen Lösungen führen. Wenn die Situation jedoch in eine negative Dynamik kippt, kann die Handlungsfähigkeit akut bedroht sein. Verwaltungsräte haben eine enorm hohe Bedeutung für Unternehmen: sie prägen es auf der strategischen Ebene und haben die Verantwortung, entschei-dende Weichen richtig zu stellen. Ent-sprechend hoch ist der Druck, da falsche oder zu späte Entscheidungen nachhaltigen Schaden anrichten können.

Wo Druck ist, ist Spannung. Wo Spannung ist, sind Konflikte nicht weit. Das ist nicht per se schlecht, denn ohne Spannungen entsteht zu wenig Neues, Spannungen können ein Motor sein für Innovation. Keine Konflikte zu haben, ist also kein lohnenswertes Ziel. Wenn Leitungsgremien in der Lage sind, konstruktiv um Lösungen zu ringen und dabei auch Spannungen auszuhalten, dann sind sie gut gerüstet auch für schwierige Zeiten. Manchmal können Teams jedoch auch in eine negative Spirale geraten, die sich oft schleichend aufbaut, denn Konflikte haben zwei gefährliche Tendenzen: Sie tendieren dazu, zu eskalieren, und sie tendieren dazu, eine Eigendynamik zu entwickeln, die wiederum die Eskalation fördert. Es entsteht ein Teufelskreis. Dies liegt nicht primär an Defiziten einzelner Personen, sondern an der Dynamik der Situation. Oft genug ist es so, dass die einzelnen Personen je die besten Absichten haben, aber gemeinsam produzieren sie Resultate, die niemand will, und trotzdem gelingt es nicht, sie zu verhindern.

Für die direkt Beteiligten ist es praktisch unmöglich, aus eigener Kraft aus einer solchen Dynamik auszusteigen, denn solche Situationen sind geprägt durch ein hohes Stresslevel und ausgeprägte emotionale Belastung, die an die Substanz geht, so dass schliesslich die Kraft fehlt, um die Entwicklung in positive Bahnen zu lenken. Der Ausweg gelingt oft nur mit externer Hilfe. Dann braucht es jemanden, der die Akzeptanz aller Beteiligten hat und sich darauf versteht, Konfliktdynamiken zu erkennen, transparent zu machen, Auswege daraus zugänglich zu machen und vorhandene Ressourcen wiederzubeleben. So können die Konfliktparteien aus der unguten Dynamik aussteigen und in die Zusammenarbeit wieder in produktive Bahnen lenken. Dies gelingt umso besser, je früher man intervenieren kann. In einem Beispiel wurde ich vom Führungsgremium eines KMU in einer Situation zugezogen, in der das gegenseitige Vertrauen bereits aufs Massivste beschädigt war. Trotz intensiver Arbeit konnte das Team diesen Zustand nicht überwinden, was letztlich zum Abgang eines Teammitglieds  führte. Bei einem anderen Kunden begann die Zusammenarbeit in einem frühen Stadium der Konflikte. Nicht zuletzt weil die Teammitglieder in diesem Fall noch recht gut „bei Kräften“ waren und der gemeinsame gute Wille dominierte, konnte die Situation mit relativ wenig Aufwand bereinigt werden. Als Nebenprodukt fielen dabei etliche gute Ideen für optimierte Prozesse in der Zusammenarbeit ab, und das Team ging gefestigt und gestärkt aus dem Prozess hervor.

Fazit: Führungsgremien sollten sich nicht vor Spannungen und Konflikten scheuen, sie können Gold wert sein. Wenn sie jedoch feststellen, dass ihre Arbeitsbeziehungen und das Grundvertrauen ineinander zu bröckeln beginnen, sollten sie nicht zögern, sich Unterstützung zu holen. Auch das ist keine Niederlage, sondern ein Ausdruck von Professionalität.

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Tibor Koromzay

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Tibor Koromzay, lic.phil., ist Psychologe und hat 13 Jahre Erfahrung als Geschäftsleitungsmitglied in der Maschinenindustrie. Als freiberuflicher Organisationsberater und Coach beschäftigt er sich mit Leadership, Veränderungsprozessen, inspirierender Zusammenarbeit und persönlichem Wachstum. Er bietet spezifisch Begleitung von Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten an.

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