Mut­ter­schafts­ent­schä­di­gung: Selbstständige bekommen weniger! | Die Wirtschaftsfrau
Es geht auch ohne Quote
Frauen haben bei Beförderungen oft das Nachsehen

Die Mutterschaft kann schwerwiegende Folgen auf die Finanzen von selbstständig erwerbenden Frauen haben.

Mutterschaftsentschädigung: Selbstständige bekommen weniger!

Babys – sie krempeln das Leben einer Familie gewaltig um. Immerhin bestimmen sie nicht nur den Tagesablauf und stellen besonders Frauen vor die schwierige Aufgabe, Beruf und Muttersein zu vereinbaren. Nein, der Nachwuchs sorgt auch für einen gewaltigen Unterschied auf dem Konto. Ein Unterschied, der oftmals grösser ausfallen kann, als womit man rechnet. Vor allem, wenn man sich im Voraus nicht eingehend mit den geltenden Bestimmungen und Gesetzen auseinandersetzt und sich bereits genug früh an die Erstellung eines entsprechenden Finanzplans macht.

Welche Regelungen es in der Schweiz in puncto Mutterschaftsentschädigung gibt und warum besonders selbstständige Mütter gut planen sollten, lesen Sie hier.

Die Mutterschaftsentschädigung in der Schweiz
Die Mutterschaftsentschädigung beträgt 80% des Einkommens vor der Geburt. Die Entschädigung darf dabei aber CHF 196.00 pro Tag nicht überschreiten. Das entspricht umgerechnet einem Monatseinkommen von maximal CHF 7‘350.00. Das Ziel der Mutterschaftsentschädigung ist es, Müttern zu erlauben, sich für 14 Wochen aus dem Berufsleben auszuklinken, nachdem das Neugeborene das Licht der Welt erblickt hat. Doch das könnte für Angestellte deutlich besser klappen als für selbstständig erwerbende Frauen.

Wer hat Anspruch auf die Entschädigung?
Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung haben erwerbstätige Frauen im Monatslohn. Dazu zählt selbstverständlich auch Teilzeitarbeit Frauen, die nach Stundenlohn arbeiten, sind berechtigt, solange sie in regelmässiger Teilzeit arbeiten. Auch arbeitslose Frauen, deren Beitragszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes ausreicht, haben Anspruch. Ebenso bekommen Frauen, die infolge eines Unfalls, Krankheit oder Invalidität Taggelder beziehen, die Entschädigung. Zu guter Letzt haben auch Frauen Anspruch auf die Zahlung, die als selbstständig Erwerbende gelten oder im Betrieb ihres Mannes arbeiten und dafür AHV-Beiträge zahlen. Das können zum Beispiel auch Bäuerinnen sein.

Wer ist aber von der Mutterschaftsentschädigung ausgenommen?

Keinen Anspruch auf die 14-wöchige Zahlung haben Hausfrauen, die ihre Kinder betreuen, dabei aber in keinem Arbeitsverhältnis stehen.

Denn sobald sie einer Teilzeitarbeit nachgehen, fallen sie bereits wieder unter die Anspruchsgruppe der Mutterschaftsentschädigung. Bei Werksstudentinnen, Aushilfs- und Gelegenheitsarbeiten kommt es immer auf den Arbeitsvertrag an.

Selbstständige Mütter: Aufgepasst!
Wenn Sie Nachwuchs planen und selbstständig sind, sollten Sie allerdings gut auf das Ereignis und die Zeit danach vorbereitet sein – und zwar finanziell. Zwar zählen Sie zur Anspruchsgruppe der Mutterschaftsentschädigung. Aber: Die Tagessätze werden bei Selbstständigen anders berechnet, als bei unselbstständig erwerbstätigen Frauen.

Genauso erging es auch Nina Weber (Hinweis d. Red.: Name geändert). Als selbstständig erwerbstätige Werbetexterin rechnete sie fest damit, dass sie nach der Geburt ihres Kindes 80% ihres monatlichen Einkommens bekommen würde. Dieses betrug CHF 7‘000.00. Doch wenige Wochen nach der Geburt ihrer Tochter dann der Schock: Die 35-jährige Werbetexterin bekam nicht einmal die Hälfte von dem, was sie sonst monatlich eingenommen hatte, sondern nur knapp CHF 3‘000.00.Die selbstständige Frau traute ihren Augen kaum. Sie hatte mit CHF 5‘600.00 gerechnet. Wie kann es sein, dass sie sich so verkalkuliert hatte?

Der Grund: Bei selbstständigen Müttern wird die Mutterschaftsentschädigung anders berechnet als bei Frauen in einer Anstellung. Die Entschädigung basiert nämlich auf dem Einkommen, aus dem die Beiträge an die AHV – und somit auch jene an die EO – gezahlt werden.

Die Sozialversicherungsbeiträge einer angestellten, bzw. unselbstständig erwerbstätigen Frau werden vom Bruttolohn entrichtet. Und genau hier liegt auch der Unterschied.

Denn Selbstständige zahlendie Beiträge auf ihr Nettoeinkommen, nicht auf ihr Bruttoeinkommen.

Also nur auf den Betrag, der nach Abzug des Betriebsaufwands noch übrigbleibt.

Die Krux: Das Nettoeinkommen einer selbstständigen Person stellt zugleich das steuerbare Einkommen dar. Also versucht man, mithilfe von Betriebsausgaben und allen Kosten, die steuerlich anzurechnen sind, das Einkommen möglichst gering zu halten. Das heisst, dass man davon alles abzieht, das überhaupt möglich ist. In diesem Moment macht das natürlich Sinn und verschafft Selbstständigen auch einen ganz klaren Vorteil: Selbstständige zahlen am Ende nicht nur weniger Steuern, sondern auch weniger Sozialversicherungsbeiträge als Angestellte mit gleichem Bruttoeinkommen.

Im Gegenzug erhalten sie jedoch auch geringere Sozialversicherungsleistungen.

In diesem Fall heisst das also auch weniger Mutterschaftsentschädigung. Denn die 80% werden eben nicht auf das eigentliche Monatseinkommen der selbstständigen Person berechnet, sondern auf das Jahresnettoeinkommen. Unten am Text finden Sie das Beispiel in Zahlen, übersichtlich dargestellt. Da wird sehr schön aufgezeigt, wie es sein kann, dass bei selbstständig Erwerbenden und unselbstständig Erwerbenden mit gleichem Jahresbruttoeinkommen schlussendlich doch eine ganz andere Mutterschaftsentschädigung rauskommt. Die unselbstständig erwerbende Angestellte in unserem Beispiel erhält beinahe das Doppelte an Entschädigung als die selbstständig Erwerbende.

Weiteres Problem: Betriebszulagen nur in seltenen Fällen möglich
Neben der Mutterschaftsentschädigung gibt es jedoch auch noch einen weiteren wichtigen Punkt, der bereits bei der Nachwuchsplanung berücksichtigt werden sollte. Selbstständige Frauen müssen nämlich nicht nur mit weniger Gehalt rechnen. In der Regel hängt auch der ganze Betrieb von ihrer Leistung ab. Diese könnte ja häufig schon während der Schwangerschaft beeinträchtigt sein, da die Arbeitsleistung je nach Situation und Tätigkeit unter dem wachsenden Familienmitglied leiden kann. In unserem Beispiel hat Nina Weber ihre Tätigkeit bereits während der Schwangerschaft reduzieren müssen. Abgaben, die in der Zeit nach der Geburt lagen, konnte sie zum Beispiel nicht erfüllen. Ausserdem ist sie häufiger ausgefallen, wodurch Projekte sich länger hingezogen haben. Damit gingen natürlich geringere Einnahmen einher.

Auf dieser Grundlage wurde dann die Mutterschaftsentschädigung ermittelt – und diese fiel entsprechend gering aus. Ihr Lösungsvorschlag wäre, einen grösseren Zeitraum als Basis für die Berechnung der Entschädigung zu definieren. Und ein weiteres Problem: Die knapp CHF 3‘000.00 decken gerade einmal die laufenden Fixkosten des Betriebs. Eine solche Betriebszulage – also eine Unterstützung für den laufenden Betrieb – gibt es in der Schweiz sogar. Allerdings gibt es diese nur für selbstständige Armee- und andere Dienstleistende.

Selbstständige Mütter werden komplett ausser Acht gelassen.

Die selbstständigen Armee- und anderen Dienstleistenden sind nämlich fast nur Männer. Diese erhalten eine Betriebszulage von CHF 67.00 für jeden Tag, an dem sie keinen Dienst leisten können. Damit kommen sie im Vergleich zu den Müttern viel besser weg. Daher: Auch hier muss bereits bei der Planung der Familienerweiterung berücksichtigt werden, dass der eigene Betrieb allenfalls für eine Zeit lang reduziert geführt werden muss, da die eigene Leistung nicht mehr in gleichem Ausmass erbracht werden kann.

Fazit für Sie: Sollten Sie selbstständig sein und Nachwuchs planen, müssen Sie deutlich besser vorbereitet sein als unselbstständig erwerbstätige Frauen. Wie beim eigentlichen Verdienst ist es auch beim Verdienstausfall sehr stark an Ihnen gelegen, dafür zu sorgen, dass für die Monate im Mutterschaftsurlaub genug bleibt. Daher ist es sehr wichtig, mit dieser Planung genug früh zu beginnen – im Idealfall schon ein paar Jahre im Voraus. So sorgen Sie dafür, dass Sie dann nicht negativ überrascht werden, und können Ihr Mutterglück in vollen Zügen geniessen.

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Ausgabe

Wirtschaft und Finanzen

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