Nachhaltige Gestaltung der Unternehmenskultur | Die Wirtschaftsfrau
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Männersicht: Kultur und Konkurrenz
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Kamales Lardi, Unternehmensberaterin, Expertin und Referentin Digital Transformation.

Nachhaltige Gestaltung der Unternehmenskultur

Guten Tag Frau Lardi. Sie sind Strategieberaterin mit Spezialisierung auf die Digital Business Transformation und Implementierung von neuen Technologien. Wie sieht die Geschlechterverteilung in diesem Bereich aus?

Im Geschäftsalltag treffe ich noch wenige Frauen, die sich in den Bereichen Digitale Business Transformation und Implementierung von neuen Technologien profilieren. Diese Bereiche sind typischerweise noch primär von Männern dominiert. Im Gegensatz zu Social Media, das zumeist beim Marketing angesiedelt ist, sind Themen der digitalen Transformation stark technik-lastig.

Ich stelle jedoch einen Trend fest, dass mehr Frauen auch in diese Bereiche vorstossen, was durch Initiativen wie „Women in Digital“ befördert wird. Wie kommt es dazu, dass Sie sich in einem von Männern geprägten Umfeld etabliert haben?

Meinen ersten Universitätsabschluss habe ich 1996 in Informatik gemacht. Dadurch habe ich schon zu Beginn meiner Karriere bei grossen Beratungsunternehmen in technik-lastigen Bereichen gearbeitet. Mit dem MBA wollte ich meine technische Erfahrung mit betriebswirtschaftlichem Wissen kombinieren. Dies hat mir in den letzten 18 Jahren die Möglichkeit eröffnet, in verschiedensten Industrien und Branchen sowohl die Herausforderungen im Zusammenhang mit Informatiksystemen wie auch die Umsetzung von Geschäftsmodellen zu erfahren und zu begleiten.

Kommen Sie in Ihrem Tätigkeitsbereich auch viel mit Frauen in Kontakt, die selber eine höhere Position innehaben oder sich als Expertinnen auf Ihren Fachgebieten qualifizieren?

In der Regel arbeite ich mit Personen auf der Ebene der Geschäftsleitung oder an der Spitze von einzelnen Geschäftsbereichen. Die Mehrheit meiner Ansprechpartner ist heute immer noch männlich. Auch hier stelle ich jedoch eine langsame Veränderung fest, dass ich vermehrt auf weibliche Führungskräfte stosse. Expertinnen in einzelnen Fachgebieten sind hingegen häufiger anzutreffen, wobei ich den Eindruck habe, dass diese nach aussenhin nicht gebührend in Erscheinung treten.

Sie sind, wie bereits angetönt, Expertin im Bereich digitale Transformation. Beobachten Sie, dass weibliche Geschäftsführerinnen eine andere Unternehmenskultur in Bezug auf digitale Transformation verfolgen, als das männliche Geschäftsleiter tun?

Der Schlüssel zum Erfolg für die digitale Transformation ist die Änderung der Unternehmenskultur. Die Digitalisierung von Unternehmen erfasst praktisch jeden Bereich von den internen Prozessen, zur Arbeitsweise bis hin zur Interaktion mit den eigenen Kunden, die neue Ansprüche und Bedürfnisse entwickeln. Derart weitreichende Veränderungen erfordern eine geeignete Führung, damit das Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeitern die Herausforderungen erfolgreich bestehen kann.

Ich meine, dass Frauen eine stärkere Affinität dafür haben, die Unternehmenskultur nachhaltig gestalten zu können.

Welchen Einfluss haben die sozialen Medien in Bezug auf die Unternehmenskultur? Wie werden bestehende Kulturen durch Social Media verändert?

Social Media ist ein Antreiber, weil der Bedarf nach entsprechender Kommunikation mit den Kunden relativ früh erkannt wurde. Soziale Medien haben für die Digitalisierung wie ein Katalysator gewirkt. Die Kunden verlangen eine noch nie gekannte Transparenz und Unternehmen sind gefordert, diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Zudem haben sich auch die Formen der Kollaboration stark verändert, was sich in der Arbeitskultur niederschlägt.

In der Zeit der digitalen Transformation ist es immer wichtiger für die Schweizer Firmen und KMU, dass sie innovativ bleiben. Machen die Unternehmen bereits genug in diesem Bereich?

Digitale Transformation findet auf verschiedenen Ebenen statt. Neben der Interaktion mit den Kunden geht es auch um interne Prozesse in Unternehmen. Zudem erwachsen aus dem Umfeld von Tech-Unternehmen agile Konkurrenten, die neue Geschäftsfelder besetzen oder in bestehende Geschäftsfelder mit Erfolg eindringen.

Der Fokus liegt zurzeit primär auf dem Umgang mit Kunden mittels Apps oder ähnlichen Tools.

Meiner Ansicht nach müssten KMU aber auch die Produktivität mittels der Digitalisierung steigern und insbesondere auch Antworten auf innovative, neue Konkurrenten finden. Hier sehe ich noch ein grosses Potenzial respektive auch grosse Gefahren.

Wo könnten sich Firmen noch verbessern?

Neue Technologien wie Internet of Things, künstliche Intelligenz oder Blockchain etc. offerieren eine Vielzahl von Chancen. KMU müssen vorerst analysieren, in welche Richtung sie sich entwickeln sollen. Ich meine, dass KMU – wie es eben neue Konkurrenten tun – sich kundenzentriert fragen sollten, wie sie in Zukunft am besten und kompetitiv den Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht werden können. Dies beschlägt aber nicht nur die Frage, wie die Interaktion mit dem Kunden aussieht, sondern umfasst auch Geschäftsprozesse als Ganzes wie auch das Business-Modell eines Unternehmens.

Um für die Zukunft fit zu werden, empfehle ich deshalb, dass sich KMU ganzheitlich mit der Frage der Digitalisierung befassen.

Wie hat die digitale Transformation und der Fortschritt von Social Media den Konkurrenzkampf in den letzten fünf Jahren verändert?

Vorerst gilt es zu sagen, dass die Markteintrittsschwellen durch die digitale Transformation und neue Technologien massiv geringer geworden sind. Wir haben in den letzten fünf bis zehn Jahren erlebt, dass neue Unternehmen innert kürzester Zeit zu globalen Playern aufgestiegen sind.

Rubrik

gefragt

Ausgabe

Kultur und Konkurrenz

Kamales Lardi

Geburtsdatum
08.06.1978

Nationalität
Malaysia

Zivilstand
verheiratet
1 Kind

Beruf
Unternehmensberaterin

Webseite
lardipartner.com

Kamales Lardi lebt und arbeitet seit 2005 in der Schweiz. Sie hat einen Bachelor of Science in Computing & Information Systems sowie einen Master in Business Administration. Zudem absolvierte Sie eine Vertiefung in Strategy and Competitive Advantage.

Frau Lardi hat bereits Pfizer, UBS, SBB, Swiss Re und Victorinox beraten und verfügt über mehr als 18 Jahre Erfahrung in der Unternehmensberatung. Sie ist eine erfahrene Speakerin und steht regelmässig als Expertin für Digital Transformation auf der Bühne.

Gut zu wissen

Die Auswirkungen von Social Media werden von einigen Unternehmen immer noch unterschätzt. In der heutigen Zeit treten die Kunden immer öfter über die sozialen Plattformen direkt miteinander in Kontakt und tauschen sich über die Produkte und Dienstleistungen aus. Um als Unternehmen da dabei zu sein, Stellung beziehen zu können und den Austausch der Kunden mitzuverfolgen, ist es wichtig, eine Social Media Präsenz aufzubauen und zu pflegen. Zudem können potenzielle Kunden über diese Plattformen angesprochen und individuell beworben werden.

Die sozialen Medien bieten diesen Marktteilnehmern sofort eine weltweite Plattform. Hinzu kommt, dass diese Unternehmen die Denkweise und Bedürfnisse dieser Kundengeneration besser kennen und flexibler agieren können. Beispiele sind Tesla, Uber, Netflix oder Revolute. Diese Mitspieler können ganze Industrien neu formen.

Haben die sozialen Medien einen fördernden Einfluss auf die Karriere von Frauen? Inwiefern?

Männer vermögen sich im persönlichen Umgang oft selbstbewusster zu vermarkten. Social Media bietet die Möglichkeit, seine eigene „Marke“ gezielt aufzubauen. Hier sehe ich eine Chance für Frauen, wenn sie die richtigen Kanäle benutzen wie LinkedIn und Xing.

Dies stellt aber nur eine Opportunität dar, die auch ergriffen werden muss. Zudem sind die jeweiligen Plattformen gezielt und sicher einzusetzen, um einen Mehrwert zu schaffen. Ob dies Frauen oder Männern besser gelingt, kann ich nicht abschliessend beantworten.

Wie können Frauen, die Karriere machen möchten, die Social Media Plattformen noch besser nutzen, um ihre Karriere zu fördern?

Ausgangspunkt ist sicher, dass die jeweilige Plattform, deren Funktionsweise und das Zielpublikum analysiert werden. In einem weiteren Schritt gilt es, die eigenen Ziele, die erreicht werden sollen, zu definieren, damit die entsprechenden Inhalte vorbereitet und aufgeschaltet werden können. Entscheidend ist zudem, dass es sich um eine fortgesetzte Anstrengung handelt, wobei Konsistenz und Regelmässigkeit der Publikationen wichtig sind.

Meine Firma unterstützt Führungspersonen, die sich über diese Kanäle positionieren wollen.

Ich selbst verwende LinkedIn für Business und Twitter als Zugang zu verschiedenen Persönlichkeiten, die an der globalen Spitze des technologischen Fortschritts stehen.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, dass mehr Frauen sich in Bereichen wie digitaler Transformation durchsetzen können?

Ich bin überzeugt, dass bereits im Schulalter das Fundament dazu gelegt wird, wer in der Zukunft den technologischen Fortschritt mitprägen wird. Es ist daher wichtig, dass gerade auch Schulmädchen dazu ermuntert werden, technische Kurse zu belegen wie das Erlernen von Programmiersprachen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass Unternehmen nicht in Stereotypen verfallen, wonach Frauen primär in den Bereichen HR, PR und Eventmanagment eingesetzt werden. Vielmehr sollten gerade auch Frauen die Möglichkeit erhalten, im Rahmen der beruflichen Fortbildung ihre technischen Fähigkeiten auszubauen. Kommt hinzu, dass heute aufgrund von Online Trainings jede Frau Zugang zu entsprechenden Fortbildungen hat.

Gut zu wissen

Lardi & Partner unterstützt Firmen bei ihrer Digital Business Strategie: Als erstes wird evaluiert, wo die Firma zum heutigen Zeitpunkt steht und wo sie sein will. Der zweite Schritt ist die messbare Zielsetzung für den angestrebten Wandlungsprozess. Danach wird das Programm umgesetzt und diese Umsetzung durch Lardi & Partner begleitet und unterstützt. Auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Social Media Strategie oder dem Customer Experience Design bietet Lardi & Partner ihre Dienste an.

Was machen Sie selbst dafür, dass Sie für die Märkte und Herausforderungen der Zukunft bereit sind?

Ich belege regelmässig Weiterbildungen. So habe ich in den letzten sechs Monaten diverse Kurse belegt zu Themen wie Internet of Things des MIT, einen Online-Kurs über Artificial Intelligence, eine Blockchain Developer Ausbildung von IBM und einen Refresher in Coding für Java Script und Solidity.

Was ist Ihre Empfehlung an Frauen im Hinblick auf die Entwicklung ihrer Karriere?

Unabhängig davon, in welchen Bereichen eine Person arbeitet, erachte ich es aufgrund des raschen technologischen Wandels als wichtig, dass regelmässig Weiterbildungen gerade auch in technischen Themen belegt werden. Es lohnt sich, hierfür den Mut aufzubringen und den Horizont zu erweitern. Dies kann die Teilnahme an einem Online-Training oder auch an einem Hackathon sein.

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