Scheidung ist grosses Vorsorgerisiko für Frauen | Die Wirtschaftsfrau
5 Statussymbole für erfolgreiche Frauen
5 Statussymbole für erfolgreiche Frauen – Prestige pur?
Teilzeitarbeit in der Schweiz
Teilzeitarbeit in der Schweiz
Für Frauen ist die Scheidung ein grosses Vorsorgerisiko
Für Frauen ist die Scheidung ein grosses Vorsorgerisiko

Rentenunterschiede in der beruflichen Vorsorge entstehen während der Ehe aufgrund von Kinderbetreuung und somit reduzierter Erwerbstätigkeit.

Scheidung ist grosses Vorsorgerisiko für Frauen

In der Schweiz ist jede vierte geschiedene Rentnerin auf Ergänzungsleistungen zur AHV angewiesen. Eine Studie von Swiss Life zeigt, dass sich nur jede Fünfte der befragten Frauen ernsthaft mit den Auswirkungen auf ihre Altersvorsorge auseinandergesetzt hat, als sie sich scheiden liess.

Rentnerinnen erhalten über alle drei Säulen hinweg durchschnittlich ca. ein Drittel weniger Altersleistung als Männer. Das nennt man Gender Pension Gap. Der Gender Pension Gap ist auf die geschlechterspezifische Aufgabenteilung zwischen Haus- und Erwerbsarbeit zurückzuführen. Die hat Swiss Life bereits 2019 in einer umfassenden Studie aufgeführt. Solche Vorsorgelücken treffen geschiedene Frauen besonders hart.

Ein Grossteil dieser Frauen wurde unter dem alten Scheidungsrecht geschieden. Damals war der Vorsorgeausgleich (Aufteilung des während der Ehe angesparten Pensionskassenguthabens) und der Vorsorgeunterhalt (Unterhaltszahlungen zum Ausgleich von Vorsorgelücken nach der Scheidung) noch nicht eingeführt. Künftig sollte sich die finanzielle Situation aufgrund dieser Ausgleichsmechanismen nach und nach verbessern. Die Analyse zeige aber, dass der Gender Pension Gap in absehbarer Zeit trotzdem nicht ganz verschwinden werde. Dies sagt Andreas Christen, Studienautor und Senior Researcher Vorsorge bei Swiss Life Schweiz.

Was nach der Scheidung passiert, ist entscheidend

Rentenunterschiede in der beruflichen Vorsorge entstehen während der Ehe aufgrund von Kinderbetreuung und somit reduzierter Erwerbstätigkeit. Bei der Scheidung werden diese in der Regel durch den Vorsorgeausgleich weitgehend reduziert. Vergessen gehe dabei jedoch oft, dass zwei Drittel aller Scheidungen vor dem 50. Altersjahr stattfinden. Also zu einem Zeitpunkt, in dem in der zweiten Säule typischerweise weniger als die Hälfte des künftigen Altersguthabens angespart wurde und entsprechend ein wesentlicher Teil des Sparprozesses noch bevorstehe. Entscheidend für den Gender Pension Gap unter Geschiedenen sei deshalb vor alles, was nach der Scheidung passiere.

Vorsorgeunterhalt reduziert den Gender Pension Gap nur teilweise

Laut Studie von Swiss Life arbeiten geschiedene Frauen häufig in tieferen Pensen als geschiedene Männer. Dadurch können sie in der beruflichen Vorsorge weniger Alterskapital ansparen. Ein wichtiger Grund dafür ist die Kinderbetreuung, die nach der Scheidung zu 77% der Fälle hauptsächlich Sache der Mutter ist. Wenn die Ex-Partnerin also nach der Scheidung nicht Vollzeit arbeiten kann, soll der Vorsorgeunterhalt dabei helfen, die pensumbedingte Vorsorgelücke zu schliessen. Die Studie zeige nun zum ersten Mal auf, dass Unterhaltszahlungen die Neigung, individuell fürs Alter zu sparen, erhöhen und so tatsächlich zur Reduktion des Gender Pension Gap beitragen. Allerdings erhält eine Mehrheit der befragten geschiedenen und teilzeitarbeitenden Mütter entweder keinen solchen Vorsorgeunterhalt oder kann trotz Unterhaltszahlungen nicht fürs Alter sparen. Der Gender Pension Gap bei Geschiedenen bleibt daher bestehen, wenn auch reduziert, so Christen.

Rückzug vom Berufsleben während der Ehe wirkt lange nach

Zusätzlich entstehen auch lange nach der Scheidung und der Kinderbetreuungsphase oft noch grosse Vorsorgelücken, weil auch geschiedene Frauen, die keine Kinder (mehr) betreuen, nicht Vollzeit arbeiten. Andreas Christen sagt, ein starker Rückzug vom Berufsleben während der Ehe könne sehr lange nachwirken. Wer vor der Scheidung in einem 80%-Pensum oder höher erwerbstätig war, sei dies auch nach der Scheidung und der Kinderbetreuungsphase viel häufiger, als jemand, der in den Jahren vor der Scheidung weniger als 40% arbeitete. Obwohl eine Scheidung also grosse Konsequenzen für die Altersvorsorge mit sich bringt, wird dieser Umstand häufig unterschätzt. Nur gut ein Fünftel der befragten Frauen hat sich während der Scheidung mit der Altersvorsorge auseinandergesetzt. 14% haben sich vor der Scheidung beraten lassen.

Sich mit dem Thema befassen und Fuss im Arbeitsmarkt fassen

Die Ergebnisse der Studie legen jedoch genau das nahe; sich bereits während der Scheidung mit deren Auswirkungen auf die Altersvorsorge auseinandersetzen und sich rechtzeitig beraten lassen, lohnt sich. Die Analysen zeigen, dass dies unabhängig vom Einkommen mit einer erhöhten finanziellen Zuversicht im Hinblick auf den Ruhestand und einer tendenziell erhöhten Sparneigung einhergeht.

Die Studie empfiehlt zudem, dass Frauen trotz der scheinbaren Sicherheit der Ehe mit einem möglichst hohen Pensum im Arbeitsmarkt bleiben sollten. Auch der Ehepartner sollte seinen Beitrag dazu leisten, damit dies gelingen kann. Auch Politik und Arbeitgeber sind laut der Studie dazu aufgefordert, den Verbleib von Müttern im Arbeitsmarkt zu fördern.

 

Quelle: https://investrends.ch/site/assets/files/29432/swiss_life_studie_scheidung_de.pdf

Kategorie

News

Publiziert am

17.03.2021

Hashtag

#diewirtschaftsfrau #politik

Comments are closed.

FRAUENJOBS.CH
ABONNIEREN