Sexismus am Arbeitsplatz | Die Wirtschaftsfrau
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Sexismus am Arbeitsplatz

“Sag mal, stören dich die Brüste nicht beim Operieren?” Solche und weitere sexistische Sprüche müssen sich Frauen regelmässig am Arbeitsplatz anhören.

Viele Frauen, mit denen über Sexismus am Arbeitsplatz gesprochen wurde, mussten nicht lange überlegen, bis ihnen ein Spruch von Kollegen oder gar Vorgesetzten einfiel, welche sie selbst schon zu hören bekommen hatten. Diese Sprüche belasten einige von ihnen noch bis heute. Dabei handelt es sich um Aussagen wie: “Es gehört nicht zu einer Frau, durchsetzungsstark zu sein” oder “Wenn’s bei dir mal nicht mehr läuft, kannst du dich wenigstens noch hochschlafen!”.

Laut einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2015 müssen sich 39 Prozent der erwerbstätigen Frauen solche unangebrachten Kommentare und Witze im Job anhören. Auch sexuelle Fragen zu ihrem Privatleben oder ihrem Aussehen müssen sich 22 Prozent der Frauen am Arbeitsplatz gefallen lassen. Das heisst, mehr als die Hälfte aller Beschäftigten haben sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schon einmal erlebt. Viele sind dabei über ihre Rechte nicht genug informiert. 81 Prozent wissen beispielsweise nicht, dass der Arbeitsgeber dazu verpflichtet ist, seine Mitarbeiter aktiv vor Sexismus am Arbeitsplatz zu schützen.

Die sexuelle Belästigung wird im schweizerischen Gleichstellungsgesetz (GIG) aufgeführt. Was unter der sexuellen Belästigung verstanden wird, ist im Gesetz nicht genauer definiert und wird in der juristischen Literatur auch nicht einheitlich interpretiert. Das Gesetz deckt vor allem Richtlinien zum Diskriminierungsschutz im Beruf ab, als auch die Pflichten und Rechte der Arbeitgeber/-innen und Arbeitnehmer/-innen.

Dabei handelt es sich auch um sexuell bestimmtes Verhalten, das die Würde der Betroffenen verletzt, lauf GIG. Konkret verboten sind:

  • Bemerkungen über körperliche Vorzüge und Schwächen
  • obszöne, sexistische Redensweisen
  • anstarren, pfeifen, taxierende Blicke
  • unerwünschte Annäherung, Gesten und Zudringlichkeiten
  • pornografisches Material in den Arbeitsräumen
  • Zurschau-Stellen der Geschlechtsteile sowie sexuelle Nötigung
  • Drohung und Vergewaltigung

Diese Sätze sind mehr als nur “dumme Sprüche”, sie können gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden anrichten.Sie schaden dem Arbeitsklima, die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und auch das Geschäft leiden darunter. Die widergegebenen Sprüche, welche sich Angestellte schon anhören mussten, reichen von “Hätte ich gewusst, dass du dich ausziehst, wenn es warm wird, hätte ich die Heizung längst aufgedreht.” (Ein Kollege bei der Polizei seiner weiblichen Mitarbeiterin, als sie aufgrund der Hitze den Pullover auszog.) über “Du weisst, ich nehme Frauen nicht so ernst wie Männer.” und “Komm, setz dich zu uns, damit wir etwas Hübsches zum Angucken haben.” bis zu “Im Kleid gefällst du mir aber besser.” Das ist nur ein kleiner Auszug. Aber auch hier hat die Gegenseite Ähnliches erlebt: Auch 19 Prozent der Männer haben sich schon Vergleichbares anhören müssen.

In den oben aufgeführten Zahlen sind die herabsetzenden Kommentare und Bemerkungen ohne sexistischen Hintergrund nicht enthalten.

Kategorie

News

Publiziert am

12.08.2020

Hashtag

#diewirtschaftsfrau #politik

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