Starke Mehrgenerationen-Teams | Die Wirtschaftsfrau
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Simona Scarpaleggia: Verschiedene Generationen, verschiedene Kompetenzen?
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Starke-Mehrgenerationen---Teams

Gemischte Teams bringen oftmals Vorteile für Unternehmen.

Starke Mehrgenerationen-Teams

Digital, unbekümmert, brauchen viel Anerkennung, grosser Erfahrungsschatz, eher kompliziert, langjährig treu… Zuschreibungen, die eine Mehrheit wohl recht einheitlich auf die Generation y oder aber auf die Babyboomer verteilt. Unnötig, darüber zu streiten, was nun die Regel und was die Ausnahme, denn es gilt: „Il faut de tout pour faire un monde“. Ein heterogen zusammengesetztes Team erzielt aus meiner Erfahrung den grössten Erfolg.

Bei jeder Rekrutierung stellt sich die Frage von Neuem: Wie umschreiben wir die Wunschkandidatin, den Wunschkandidaten für die offene Stelle? Welche Ausbildung, welche Erfahrungen, welche Charakterzüge und last but not least, welche Altersgruppe wäre ideal? Während sehr junge Bewerbende aufgrund ihres Alters die für die offene Stelle erforderlichen Ausbildungen oder Erfahrungen meist gar nicht mitbringen können, gibt es im Gegenzug keine Alterslimite nach oben.

Ich bin deshalb immer wieder überrascht, wie viele Anrufe von Bewerbenden ich erhalte mit Fragen im Stil von: „Ich bin bereits 47. Macht es überhaupt Sinn, dass ich mich für die Stelle bewerbe?“.

Wenn eine Person das Anforderungsprofil erfüllt, soll sie sich auf jeden Fall bewerben.

Natürlich kann die aktuelle Zusammensetzung des Teams mal so sein, dass eine Altersstufe bereits übervertreten ist und das Alter der Kandidaten deshalb eine überdurchschnittliche Rolle spielt. Insgesamt ist meine Überzeugung aber, dass Diversität die Stärke eines Teams ausmacht. Ich tue mich schwer mit den Zuweisungen „typisch Frau“ oder „typisch Mann“ oder mit der für diesen Artikel relevanten Generationenzuteilung in „typisch jung“ oder „typisch alt“.

Unabhängig von der Generation, der jemand angehört: Was in einem Job eine Stärke ist, kann in einem anderen eine Schwäche sein. Das Tätigkeitsgebiet der Unternehmenskommunikation dürfte hier keine Ausnahme darstellen.

Einige Merkmale werden aber auch hier trotz grundsätzlicher Ablehnung von Typologisierungen mit Generationen verknüpft. Auf drei davon wird nachfolgend kurz eingegangen.

Erfahrung punktet
Ein grosses Plus von Mitarbeitenden der Generation der Babyboomer ist ihre langjährige Erfahrung. Nicht im unerwünschten Sinne von: „Das haben wir schon immer so gemacht“. Es geht um das Suchen nach Lösungen für Probleme, die sich jemandem in seiner bisherigen Tätigkeit schon mehrfach gestellt haben und somit nicht nur aus der Theorie, sondern aus der Praxis bekannt sind.

Krisenkommunikation ist ein ideales Beispiel, um den Wert von Erfahrung in der Unternehmenkommunikation aufzuzeigen.

Auch bei der Organisation von grösseren Anlässen kann die eigene Erfahrung in Bezug auf was vor Ort funktioniert und was nicht die beste Checkliste nicht ersetzen.

Ein zentrales Element der Unternehmenskommunikation ist die Beratung und Begleitung interner Stakeholder in teils heiklen und anspruchsvollen Situationen. Berufs- und auch lebenserfahrene Mitarbeitende stossen schneller auf Vertrauen und Akzeptanz.

Mut zu „trial and error“
Die Unbekümmertheit der Mitarbeitenden der Generation y ist Gold wert. Sie bildet einen wichtigen Gegenpol zur Angst vieler Menschen, etwas falsch zu machen und animiert, Neues auszuprobieren. Die Welt dreht sich immer schneller, so dass „trial and error“ vielfach die beste Lösung ist.

Ein Ansatz, der die heute erforderliche Agilität erlaubt und der für jüngere Mitarbeitende selbstverständlich scheint. Wo ich mir dagegen manchmal etwas weniger Unbekümmertheit wünschen würde, ist im Umgang mit der Sprache. Rechtschreibung und Interpunktion lassen heutzutage definitiv mehr Freiheiten zu als in der Vergangenheit, diesbezügliche Korrektheit sollte in einem Kommunikationsjob aber dennoch nicht als nebensächliche Glücksache betrachtet werden. Auch hier gilt natürlich:

Was in einem Biotechnologie-Forschungslabor völlig irrelevant sein kann, hat im Umfeld der Kommunikation eine ganz andere Bedeutung.

Digital Immigrants integrieren
Zu guter Letzt: Wie gross empfinde ich sie, die oft genannte Kluft zwischen Digital Natives und Digital Immigrants, in meinem Umfeld? Den grössten Unterschied zwischen Babyboomern und Menschen der Generation y sehe ich wiederum in ihrer Angst, respektive ihrer Unbekümmertheit.

Das Ergebnis ist aber manchmal beim Babyboomer besser als beim Mitarbeitenden der Generation y, denn während dem Babyboomer IT-Sicherheitsabfragen suspekt vorkommen und er lieber einmal zu viel rückfragt, pröbelt Generation y herum und löscht zum Beispiel eher mal aus Versehen einen Teil der Firmenablage. Die Aufwärmphase älterer Mitarbeitender für neue Kommunikationsmittel und -kanäle mag länger dauern, sie werden danach aber ebenso virtuos bespielt.

Ein Team, das sich aus verschiedenen Generationen zusammensetzt, kann sich gegenseitig unterstützen und  tut dies gemäss meiner Erfahrung auch.

So kann aus der Erfahrung und dem Fachwissen der Babyboomer kombiniert mit der „trial and error“-Mentalität der Generation y eine qualitativ hochwertige Agilität entstehen. Das Wissen eines Kommunikations-Bachelors, frisch ab Uni oder Fachhochschule, der für ein Praktikum unser Team verstärkt, ist brandaktuell, spannend und gibt oft wertvolle Impulse. Bald schon gilt aber auch für ihn genauso wie für die älteren Mitarbeitenden: Dran und interessiert bleiben, das Wissen laufend auffrischen, denn das Fortschreiten der Digitalisierung wird für alle Neues bringen.

Rubrik

gehört

Ausgabe

Generation und Kompetenz

Silvia Schnidrig

anette-stade_portrait

Nationaliät
Schweizerin

Geburtsdatum
25.2.1963

Zivilstand
liiert

Firma
SWICA

Beruf
Unternehmenskommunikatorin

Info

Silvia Schnidrig verantwortet seit Ende 2012 die Unternehmenskommunikation der Gesundheitsorganisation SWICA. 2007 bis 2012 leitete sie die Unternehmenskommunikation der Suva. 1999 bis 2007 war sie in gleicher Funktion bei der Gastronomie und Hotelmanagement-Gruppe SV Group tätig. Zuvor war die  eidg. dipl. PR-Beraterin und eidg. dipl. Krankenversicherungsfachfrau fünf Jahre Beraterin und Mitglied der Geschäftsleitung bei Wirz Public Relation in Zürich.

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