Voller Energie für die Natur | Die Wirtschaftsfrau
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Voller Energie für die Natur
Voller Energie für die Natur

Susanne Haag Jaggi arbeitet im Teilzeitpensum als Projektleiterin Umwelt bei ewz, dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich

Voller Energie für die Natur

Grüezi Frau Haag Jaggi. Sie arbeiten seit 2011 bei ewz. Können Sie kurz Ihren Werdegang beschreiben und wie Sie zu ewz gekommen sind?

Mein Werdegang ist nicht sehr gradlinig. Nach meiner Lehre als Pharma-Assistentin und mehreren Auslandaufenthalten habe ich mich entschlossen, doch noch die Matura nachzuholen. Mich haben Umweltthemen allgemein und vor allem Meteorologie sehr interessiert. Ich entschied mich daher, Geographie an der Uni Zürich zu studieren. Mit Meteorologie wurde es dann allerdings nichts, ich habe nach dem Studium vor allem im Umweltbereich gearbeitet. Zuerst kurz beim Kanton, dann in einem Ingenieurbüro und zuletzt bei der Nagra. Durch meine Tätigkeit bei der Nagra wurde auch meine Begeisterung für das Thema Energie geweckt. Meine erste Aufgabe bei ewz war es, die Umweltverträglichkeit für Wind- und Wasserkraftwerke sicherzustellen. Heute kümmere ich mich um die Ökozertifizierung unserer Wasserkraftwerke und den naturemade star-Fonds.

 

Was überzeugt Sie noch heute am Arbeitgeber ewz?

Bei einem Energieversorgungsunternehmen mit eigenen Wasserkraftwerken gibt es immer viele spannende Projekte und gute Möglichkeiten, sich intern weiterzuentwickeln.

Als städtisches Unternehmen ist ewz die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig. Ich schätzte es, dass ich auch mit einem 50-Prozent-Pensum verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen und selbstständig arbeiten kann.

 

Sie sind Projektleiterin im Team Projekte, Konzessionen und Umwelt. Viele können sich wohl nicht genau ausmalen, was Sie dort machen. Können Sie uns einen Einblick in Ihren Arbeitsalltag geben?

Grundsätzlich bearbeiten wir alle Umweltaspekte bei Wasserkraftwerken. Bei bestehenden Kraftwerken geht es hauptsächlich darum, die gesetzlichen Vorgaben und Sanierungen umzusetzen. Bei neuen Kraftwerken oder bei Rekonzessionierungen müssen wir die Umweltverträglichkeit der Kraftwerke sicherstellen. Ausserdem sind einige unserer Kraftwerke mit dem Ökostrom-Label “naturemade star” zertifiziert. Diese Zertifizierung müssen wir alle fünf Jahre erneuern und dafür den ökologischen Zustand der genutzten Gewässer untersuchen. Mit dem Fonds aus dem Verkauf dieses zertifizierten Naturstroms finanzieren wir zudem verschiedene Aufwertungsprojekte. Meine Hauptaufgabe besteht darin, diese Projekte fachlich und administrativ zu betreuen. Ich bin mittlerweile eigentlich eher eine Asset-Managerin als eine klassische Projektleiterin.

 

Mit dem naturmade star-Fonds realisiert ewz Umweltprojekte. Worum handelt es sich dabei genau?

Die Grundidee des Fonds besteht darin, Gewässer, die wir zur Produktion von Strom nutzen, ökologisch aufzuwerten. Allerdings werden mit unserem Fonds nicht nur Projekte an “unseren” Gewässern, sondern allgemein Revitalisierungen von Fliessgewässern unterstützt. Ausserdem auch die Aufwertung von Mooren, Amphibienteichen und anderen seltenen Lebensräumen. Alles ist Teil unseres Beitrages zum Umwelt- und Klimaschutz.

 

Können Sie ein Beispiel eines durch den naturmade star-Fonds unterstützten Projekts nennen?

Eines der schönsten und auch grössten Projekte, das wir durch unseren Fonds unterstützen, ist die Redynamisierung des “Chly Rhys” bei Rietheim im Kanton Aargau: In den 1920er Jahren wurde ein Seitenarm des Rheins, der “Chly Rhy”, und später auch das ganze Auengebiet durch künstliche Aufschüttungen trockengelegt. Dieser Seitenarm wurde 2015 auf einer Länge von 1‘500 m wieder geöffnet und das Auengebiet auf sein natürliches Niveau abgesenkt, damit es wieder überflutet werden kann. Dadurch entstand ein neuer Lebensraum nicht nur für Wasserlebewesen. In die steilen Ufer des Chly Rhys haben Eisvögel ihre Bruthöhlen gegraben und auch die Biber fühlen sich in dieser renaturierten Landschaft wohl.

 

Gibt es bei ewz Frauennetzwerke oder andere Angebote für den Bereich Diversity & Inclusion?

Ja, es gibt das Netzwerk frauen@ewz, das rege genutzt wird. Es organisiert regelmässige Networking-Events und Austauschgefässe für Frauen innerhalb von ewz. Sich zu vernetzen ist natürlich auch geschlechtsübergreifend sehr wichtig. Wir haben dafür verschiedene Fach-, Führungs- und Projektforen sowie bereichsübergreifende Events, um dies zu fördern.

 

Sie sind unter anderem auch Mutter und haben nach der Mutterschaft das Pensum reduziert. Wie teilen Sie sich mit Ihrem Mann die Betreuung der Kinder auf? Wie empfinden Sie persönlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Mein Mann und ich teilen uns durch Teilzeitarbeitsmodelle die Betreuung unserer zwei Kinder. Er ist einen Tag zu Hause und wir werden durch die Grosseltern zusätzlich unterstützt. Homeoffice und Jahresarbeitszeit mit flexiblen Arbeitsmodellen tragen wesentlich dazu bei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Das bedeutet für mich eine optimale Flexibilität bei meiner Arbeitseinteilung. Und natürlich sind Regelungen wie Blockzeiten und Mittagstische bei den Schulen hilfreich.

 

Spüren Sie Nachteile, weil Sie nur 50% arbeiten, beispielsweise bei der Möglichkeit für Ihre weitere berufliche Entwicklung?

Eine Führungslaufbahn kann ich zwar mit 50% nicht einschlagen, glücklicherweise war das aber nie mein Ziel. Ich möchte mich fachlich weiterentwickeln, und dies ist unabhängig vom Pensum bei ewz möglich.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Arbeitswelt der Zukunft?

Vermehrtes Homeoffice wird sich wohl definitiv als eine Arbeitsform etablieren. Das ist einerseits gut und vereinfacht vieles. Die Grenzen zwischen Arbeit und Familie werden aber auch verwischt und es ist wichtig, sich auch bewusst abzugrenzen – auf beide Seiten.

 

Vielen Dank für das Interview.

Kategorie

News

Publiziert am

22.01.2021

Hashtag

#diewirtschaftsfrau #politik

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