Hotelführung im Familienbetrieb | Die Wirtschaftsfrau
Businesstag für Frauen mit Jasmin Staiblin und Ursula Plassnik
Diskriminierung durch künstliche Intelligenz – wie kommt es dazu?

Im Hotel versuchen wir wirklich so viel wie möglich Müll zu vermeiden und so regional wie möglich einzukaufen.

Hotelführung im Familienbetrieb

Frau Dengg, Sie führen seit 2006 das Hotel Post in Lermoos zusammen mit ihrem Mann Franz Dengg. Was erfüllt Sie an Ihrem Beruf?

Schon in meiner Jugend hat mich die Hotellerie fasziniert. Als ich meinen Mann kennenlernte und wir gemeinsam 1986 die Post in Lermoos in einem sehr schlechten Gesamtzustand von seiner verwitweten und kinderlosen Tante übernahmen, war es für uns eine grosse Chance aber auch ein grosser Berg an Verantwortung und vor allem Arbeit. Wir haben es gemeistert, drei Kinder grossgezogen und 2006 dann eine ganz neue Post Lermoos geschaffen. Der Beruf ist immer noch meine Erfüllung und mittlerweile auch gemeinsam mit meinen beiden erwachsenen Töchtern. Mein Mann und unser Sohn führen die Seilbahnen auf die Zugspitze und Ehrwalder Alm mit Hotellerie, Camping und Gastronomie.

Was sind die Vorteile, mit dem Partner resp. der ganzen Familie zusammenzuarbeiten?

Im Tagesgeschäft hat man einen verlässlichen Partner. Die Erfahrungen der Eltern treffen auf Innovationen der Kinder. Das gibt auch Stärke in strategischen und finanziellen Überlegungen und Pflichten. Diskussionen werden geführt und das ist auch gut so. Nur beim gemeinsamen Mittagessen darf nicht über das Geschäft gesprochen werden!

Gibt es auch Nachteile? Wenn ja, welche?

Nicht direkt ein Nachteil ist es, wenn über Projekte oder Arbeitsabläufe gesprochen werden muss. Da muss man auch ab und zu zurückstecken.

Auf das gesamte Hotel betrachtet, haben Sie mehr Frauen als Männer eingestellt. Ist dies Absicht oder Zufall?

Es ist sehr ausgeglichen. Aber unter den Frauen haben wir in allen Abteilungen die langjährigsten MitarbeiterInnen.

Das Hotel existiert schon lange erfolgreich und hat viele Traditionen. Empfinden Sie es als schwierig, auch mal etwas Neues reinzubringen?

Früher schon, aber seit ich mit unseren Töchtern zusammenarbeite nicht mehr. Früher war ich sehr auf die Tradition des Hauses bedacht. Jetzt kommen auch die Mädels mit neuen Ideen und ich finde das sehr gut.

Sie achten auf die Umwelt. Was machen Sie konkret?

Im Hotel versuchen wir wirklich so viel wie möglich Müll zu vermeiden und so regional wie möglich einzukaufen. Im Büro haben, glaube ich, alle Angst vor mir, weil ich immer so streng bin beim Papierverbrauch. Die Rückseite der Menükarten muss dann schon auch für Listen verwendet werden. Wir haben auch einen Bauernhof mit Milchkühen, Hendln und zeitweise Duroc-Schweinen. Da hat man schon einen Blick auf den Kreislauf und denkt darüber nach. Unser Küchenchef ist ein guter Verwerter auf hohem Niveau. Wir werden im Ort von einem Heizwerk versorgt. Aber natürlich ist im Wellness- Bereich viel Energie nötig.

Ist es generell schwierig, als Wellnesshotel ökologisch zu sein?

Ja, das ist es. Wir bemühen uns aber sehr und gehen die Abläufe im Hotelbetrieb sehr genau durch. Da wir auch die Wäsche in der hauseigenen Wäscherei bearbeiten, braucht das ein wirklich gutes Energie-Management. Das muss man dann auch den Gästen gut erklären warum wir gestaffelte Sauna-Zeiten haben.

Wie sieht für Sie ein typischer Arbeitsalltag aus?

Frühstück mit meinem Mann, bisserl Nachrichten und betriebliches Tages-Update. Dann ins Büro, Rezeption, Gästelisten, kurzes Meeting mit meiner langjährigen DA und Rezeptionschefin, Frühstücksbuffet kontrollieren. Meine Bürotüre bleibt immer offen und es geht den ganzen Tag mit kleinen und grossen Themen durch. Mittagessen mit der Familie. Am Nachmittag auch mal aushelfen, wenn auf der Terrasse viel los ist. Dann abends Gäste begrüssen, im Restaurant platzieren und meistens auch beim Abendservice helfen. Es ist ein sehr vielfältiger Alltag und begeistert mich nach so vielen Jahren immer noch.

Die Corona-Krise ist für viele Hotelbetreiber ein harter Schlag. Wie geht es Ihnen damit?

Im März 2020 war es ein grosser Schock. Von einem vollen Haus auf Null. Wir konnten es nicht glauben. Unser Bezirk hatte auch keine Fälle. Seit vielen Jahren das erste Mal geschlossen. Wir mussten uns neu organisieren. Aber es gab viel zum Aufarbeiten, Umräumen usw. Wir dachten an ein paar Wochen Pause. Aber es wurden drei Monate. Dann kamen ein sehr guter Sommer und Herbst. Und dann wieder zusperren. Privat waren es die ersten Weihnachten ohne Gäste. Mit zwei kleinen Enkelkindern sehr schön. Seit Silvester bedrückt mich die Situation aber sehr. Nun sind auch Februar und März ausgefallen. Wieder 4 Monate ohne Umsatz. Die besten Wochen fehlen uns nun. Wir haben viele Mitarbeiter in der Kurzarbeit. Aber einige sind auch in ihre Heimatländer gefahren und haben dort kaum finanzielle Unterstützung. Es ist ein Drama in alle Richtungen. Zulieferer, Geschäftspartner, Mitarbeiter und Gäste sind mittlerweile sehr pessimistisch. Wir hoffen auf schnelle Impfungen, finanzielle Unterstützungen und dann rasche Erholung der Wirtschaft.

Wie sehen Sie die Zukunft der Branche?

Sobald Gäste aus unseren Hauptherkunftsländern Deutschland, Schweiz, Belgien und Luxemburg wieder reisen dürfen und können, sehe ich für die Ferienhotellerie in Österreich wieder gute Perspektiven. Das drumherum wird die Herausforderung. Wie testen, Tests von Gästen überprüfen, Stornos abwickeln, Mitarbeiter und uns selbst schützen und doch ein herzliches und freundliches Urlaubsgefühl bieten. Das wird eine grosse persönliche und finanzielle Anstrengung. Eine grosse Hilfe ist dabei der regelmässige Austausch mit den anderen Betrieben in der BestAlpineWellnessHotels-Gruppe. Denn es wird viele Jahre brauchen, besonders für den Wintertourismus, bis wieder ganz sorgenfreier Urlaub möglich ist.

Kategorie

News

Publiziert am

01.06.2021

Hashtag

#diewirtschaftsfrau #politik

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