Frauenpower in der Politik | Die Wirtschaftsfrau
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Carmen Walker Späh ist amtierende Regierungspräsidentin und Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons Zürich. (Bild: André Springer)

Frauenpower in der Politik

Grüezi Frau Carmen Walker Späh. Was sagen Sie zu den Wahlresultaten 2019?

Als Politikerin, Frau und langjährige Präsidentin der FDP Frauen Schweiz freue ich mich natürlich, dass 2019 nicht nur als Klimajahr, sondern auch als Frauenjahr in die Geschichte eingehen wird.

Im Kantonsrat waren 28 Frauen unter den 38 Neugewählten. Und der gleiche Trend war auch im Nationalrat zu beobachten. Dort stieg der Frauenanteil von 32 auf 42 Prozent. Frauen in der Politik, aber auch in anderen verantwortungsvollen Positionen in Wirtschaft und in der Verwaltung, sind im Aufwind. Das freut mich!

Sie sind Regierungspräsidentin des Zürcher Regierungsrats und Volkswirtschaftsdirektorin. Welchen Weg haben Sie bis dahin zurückgelegt?

Ein langer Weg! Nicht immer ein geradliniger und auch nicht immer ein einfacher; aber definitiv ein spannender. Ich kam als junge Studentin von Altdorf im Kanton Uri ins pulsierende Zürich. Früh lernte ich, mich für meine Überzeugungen einzusetzen, als Mutter, Rechtsanwältin und als Politikerin. 1995 trat ich in die FDP ein. Sieben Jahre später sass ich im Zürcher Kantonsrat. Und 2010 wurde ich Präsidentin der FDP Frauen Schweiz. 2015 und 2019 hat mich das Zürcher Stimmvolk in den Regierungsrat gewählt. Sie können sich sicher vorstellen, dass sich nicht alle über meinen politischen Werdegang freuten und ich ab und zu auch aneckte.

Ich würde auch rückblickend allen jungen Frauen, die sich für Politik interessieren, empfehlen, mutig zu sein, ihren Weg konsequent zu verfolgen.

Haben Sie sich schon immer für Politik interessiert?

Politik hat mich insofern schon früh interessiert, als dass ich bereits in jungen Jahren gerne diskutiert und debattiert habe. So richtig „aktiv“ bin ich dann aber erst geworden, nachdem ich Mutter wurde und mich für Quartieranliegen wie die Sicherung des Schulwegs und die Freilegung eines Quartierbächlis eingesetzt habe. Seither bin ich Vollblutpolitikerin.

Sie haben eine langjährige Ausbildung zur Rechtsanwältin hinter sich. Wie beeinflusst dieser Hintergrund Ihre Entscheidungen in der Politik?

Als Rechtsanwältin bin ich es mir gewohnt, analytisch zu denken und präzise zu arbeiten. Das hilft natürlich auch in meiner Funktion als Regierungsrätin. Und ich weiss, dass es verschiedene Lösungswege gibt, die zu einem Ziel führen können.

Wo steht der Kanton Zürich im schweizweiten Vergleich im Bereich Diversity & Inclusion?

Im schweizweiten Vergleich wage ich zu behaupten, dass der Kanton Zürich gut unterwegs ist. Überhaupt hat sich in den letzten 40 Jahren in der Schweiz und im Kanton Zürich viel bewegt punkto rechtlicher Gleichstellung der Geschlechter. Die tatsächliche Gleichstellung von Mann und Frau ist aber leider noch immer nicht ganz erreicht. Wir müssen dran bleiben; angefangen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie über Löhne bis zur Ausbildung unserer Kinder. Leider höre ich immer noch viel zu oft, dass technische Berufe Männerberufe seien, dass Jungs besser in Mathe seien. Das beruht zu einem grossen Teil auf unseren Vorurteilen, die wir als Gesellschaft unbedingt abbauen müssen.

Und wo sehen Sie die Position der Schweiz im Vergleich zum Ausland, wenn Sie die Diversität in Schweizer Unternehmen ins Auge fassen?

Mit Diversität ist ja mehr als das Verhältnis von Frauen und Männern in den Unternehmen und auf den verschiedenen Hierarchiestufen gemeint.

Es gibt immer wieder Untersuchungen, wie sich unsere Unternehmen – auch im Vergleich zu Ausland – diesbezüglich engagieren. Was ich höre und sehe, ist, dass die Unternehmen in der Schweiz um Vielfalt bemüht sind und ihre Verantwortung ernst nehmen. Wir haben aber auch sehr viele hoch spezialisierte Unternehmen, die entsprechend spezialisierte Fachkräfte suchen: Es ist also vielleicht nicht in jedem Fall möglich, den Personalentscheid aufgrund der Diversität zu fällen. Meine persönliche Überzeugung ist aber die, dass gemischte Teams besser arbeiten, zu einem besseren Arbeitsklima beitragen, die besseren Resultate erzielen und folglich auch wirtschaftlich erfolgreicher sind. Von daher wünschte ich mir, dass auch die Unternehmen noch stärker auf Diversität achten würden. Dazu gehört auch, dass Führungspositionen in Teilzeitpensen oder im Job-Sharing ermöglicht werden sollten oder vermehrt Home-Office oder andere flexible Arbeitsformen zur Anwendung kommen.

Welche Herausforderungen im Bezug auf Gender Equality sind in der Schweiz immer noch zu meistern?

Wir haben nach wie vor Lohnungleichheit und weniger Frauen in Führungspositionen. Das gilt für die Wirtschaft und in der Verwaltung, aber das gilt auch in der Politik in wichtigen Ämtern. Ich möchte den Frauen Mut zusprechen, sich für anspruchsvolle Positionen zu bewerben und so engagiert wie viele unserer männlichen Kollegen Lohnverhandlungen zu führen. Denn es liegt auch an uns.

Jetzt müssen wir am Ball bleiben.

Welche allgemeinen Anliegen sind Ihnen als Politikerin fürs kommende Jahrzehnt in der Schweizer Wirtschaft besonders wichtig?

Zürich ist der Motor der Schweizer Wirtschaft. Als Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin setze ich mich dafür ein, dass dies so bleibt. Es ist aber ein Fakt, dass der nationale sowie der inter-nationale Wettbewerb immer härter wird.

Wir brauchen aber auch stabile politische Rahmenbedingungen und klare Verhältnisse zur Europäischen Union. Denn unser Wirtschaftsstandort ist künftig genauso darauf angewiesen, dass sich internationale Konzerne in der Schweiz niederlassen, als auch darauf, dass unsere heimischen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen exportieren können.

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Ausgabe

Workspace und Zusammenarbeit

Carmen Walker Späh

Geburtsdatum
29.01.1958

Nationalität
Schweizerin

Zivilstand
verheiratet

Beruf
Rechtsanwältin

Webseite
www.carmen-walkerspaeh.ch

Carmen Walker Späh ist amtierende Regierungspräsidentin des Kantons Zürich. Als Volkswirt-schaftsdirektorin ist sie für die Politikbereiche Wirtschaft und Verkehr zuständig. Carmen Walker Späh führte von 2000 bis 2015 ihre eigene Anwaltskanzlei, die auf öffentliches und privates Bau-recht spezialisiert war. Während 13 Jahren engagierte sie sich zu-dem als Kantonsrätin, bevor sie das Zürcher Stimmvolk 2015 und 2019 in den Regierungsrat wählte.

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