Zum Weltfrauentag – Schluss mit dem Gender Bias | Die Wirtschaftsfrau
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Vorurteile lassen sich zwar nicht vermeiden, ein Bewusstsein dafür kann unsere Handlungen aber bereits positiv beeinflussen.

Zum Weltfrauentag – Schluss mit dem Gender Bias

Am 8. März 2022 findet der Weltfrauentag unter dem Motto #BreakTheBias statt. Dabei steht die Problematik von geschlechtsspezifischen Vorurteilen im Vordergrund. Solche können vor allem am Arbeitsplatz weitreichende Folgen haben.

«Der Bundesrat wird eingeladen, Bericht und Antrag einzubringen über die verfassungsmässige Verleihung des gleichen Stimmrechts und der gleichen Wählbarkeit an die Schweizerbürgerinnen wie an die Schweizerbürger.» Mit diesen Worten wendete sich SP-Politiker und Vorkämpfer für das schweizerische Frauenstimmrecht Hermann Greulich 1918 an die damaligen sieben Landesvertreter.

Leider würde es noch über 50 Jahre länger dauern, bis Frauen auf nationaler Ebene den Gang zur Urne bestreiten dürfen. Der Kanton Appenzell Innerrhoden bildet im europäischen Vergleich gar das Schlusslicht. Die Entscheidung wurde erst per Bundesgerichtsentscheid gegen den Willen der männlichen Stimmbürger der Landsgemeinde vom 29. April 1990 getroffen.

Aus demselben Anliegen heraus, nämlich das Frauenstimmrecht, wurde 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz der erste Frauentag gefeiert. Schon damals erhofften sich die Initiantinnen einen internationalen Charakter – was sie auch erreichten. Heute wird der Frauentag jedes Jahr am 8. März mit verschiedenen Fokussen zelebriert. Bessere Bildung für Mädchen, Gleich denken, intelligent bauen, offen für Veränderungen sein, Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen – um ein paar Themen-Beispiele zu nennen.

Gender Bias gibt es von Männern und Frauen

Dieses Jahr läuft der Weltfrauentag unter dem Motto «#BreakTheBias – oder «Vorurteile durchbrechen».

«Sie bekommt sicher bald Kinder» oder «Frauen und Technik, das passt nicht zusammen»: Geschlechtsbezogene Vorurteile und Stereotypisierungen werden Gender Bia» genannt. Dieser Gender Bias ist nicht nur in alltäglichen Situationen ein Problem, sondern kann auch auf personalpolitische Entscheidungen einen negativen Einfluss haben.

Was heisst das konkret? Menschen sind von Natur aus voreingenommen, schreibt das Beratungsunternehmen zu Diversität und Inklusion «EW Group» in einem Blogbeitrag. Dem Gehirn falle es schwer, unparteiisch zu bleiben. Kognitive Voreingenommenheit ist die Art und Weise, wie unser Gehirn automatisch Assoziationen zwischen zwei Konzepten herstellt. Diese hilfreichen gedanklichen Abkürzungen ermöglichen es uns, Informationen schnell zu verarbeiten, und verhindern, dass das Gehirn von Informationen überwältigt wird.

Leider kann uns genau diese Fähigkeit, unsere Umwelt auf diese Weise kategorisch einzuordnen, in unerwünschter Weise beeinflussen, heisst es im Blogpost weiter. Wie zeigt sich das im Arbeitsalltag? Eine im European Journal of Finance veröffentlichte Studie habe gezeigt, dass professionelle Finanzberater, die millionenschwere Kunden betreuen, der Meinung sind, dass weibliche Anleger weniger über Investitionen Bescheid wissen als Männer und dass sie weniger Kontrolle über ihre Anlageportfolios haben. Das überraschende daran ist: Diese Meinung vertraten sowohl männliche als auch weibliche Finanzberater.

Chancengleichheit als Teil der Unternehmensziele

Aufgrund der Art und Weise, wie unser Gehirn gestrickt ist, können wir Vorurteile nicht einfach aussen vorlassen. Was wir aber können, ist uns darauf zu sensibilisieren und bei unseren Entscheidungen aktiv zu hinterfragen, ob uns da nicht ein «unconscious bias» (unbewusstes Vorurteil) dazu verleitet hat. Genau diese Praxis ist in Unternehmen besonders wichtig – vom «Bürogspänli» über HR-Verantwortliche bis in die Führungsetage.

Konkret könnte das bedeuten, geschlechtsneutrale Einstellungsstandards festzulegen. Dabei wird das ideale Kandidatenprofil vorab definiert und im Anschluss alle Kandidatinnen und Kandidaten anhand dieser Standards bewertet.

Die Kommunikation spielt in dieser Thematik eine entscheidende Rolle. Mit einem einmaligen Workshop löst sich der Gender Bias noch nicht in Luft auf. Bestenfalls wird die Chancengleichheit für Mann und Frau in den Unternehmenszielen verankert. Qualitative Ziele in Sachen Diversität können Frauen dabei unterstützen, mehr Führungsaufgaben zu übernehmen. Regelmässige Lohnprüfungen und das Ermöglichen von flexiblen Arbeitsmodellen haben ebenfalls einen positiven Effekt auf die Frauenförderung auf dem Arbeitsmarkt.

Die US-amerikanische Unternehmerin und Co-Geschäftsführerin von Meta Platforms, Sheryl Sandberg, sagt dazu: «Ich sage nicht, dass Frauen wie Männer sein sollen. Ich sage, dass wir das, was Männer und Frauen in der Arbeitswelt und zu Hause tun, ohne die geschlechtsspezifische Voreingenommenheit bewerten sollen.»

Wir haben in den letzten 100 Jahren viel erreicht. Das heisst aber nicht, dass wir uns auf den Lorbeeren ausruhen sollten. Der Arbeitsmarkt ist bereit für Veränderung und – am allermeisten – für Chancengleichheit zwischen Mann und Frau. Ganz im Sinne von #BreakTheBias.

Kategorie

News

Publiziert am

07.03.2022

Hashtag

#diewirtschaftsfrau #politik #breakthebias #frauentag #weltfrauentag #genderbias

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